Horst Heinrich Bechtluft, Twist

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Geboren 1944 in Papenburg an der Ems. Lebte von 1948 bis 1952 mit seinen Eltern als „Lagerkind“ in Rhederfeld. Mit 17 Jahren schrieb er in Vechta erste kleine Presseartikel, fuhr per Rad als freier Mitarbeiter der örtlichen Zeitung (NWZ) zu Ratssitzungen in Dörfer der Umgebung. 1967 Zulassungsprüfung zur Pädagogischen Hochschule Osnabrück. Studium der Geschichte bei Prof. Ernst Weymar („Das Selbstverständnis der Deutschen“). 1972 Rückkehr ins Emsland, nach Twist, wo er als Lehrer und weiterhin als freier Journalist für die Meppener Tagespost tätig war. Von 1986 bis 2004 Redakteur und Korrespondent des Norddeutschen Rundfunks für das Emsland und die Grafschaft Bentheim. Mit zahlreichen Beiträgen im damals neuen Regionalprogramm von NDR Radio Niedersachsen wurde er bald zur „Stimme des Emslandes“. Sein Interesse galt besonders den „Geschichten“ der Menschen auf dem platten Land. Die sogenannten „Vor Ort“-Beiträge erreichten große Popularität. 2003 erhielt er den Emsländischen Medienpreis. Über dreißig Jahre Mitglied der Redaktion zum Emsland-Jahrbuch (EHB). Auszeichnung mit der Landschaftsmedaille 2016 der Emsländischen Landschaft.

Die bei Lokalkolorit angebotenen Schriften sind im Buchhandel nicht zu erwerben. Es handelt sich um bebilderte Manuskripte zu Themen, die sich mehr „im Hintergrund“ der Regionalgeschichte abspielen, von daher aber auch besonders interessant zu lesen sind.

 

Dazu gehört die Geschichte des weltbekannten Rennfahrers der 1930er Jahre Bernd Rosemeyer aus Lingen. Er war zugleich Hauptsturmführer der SS, ein „Ehrenrang“ aufgrund seiner internationalen Erfolge, was aber in seiner Heimatstadt bis heute für Diskussionen sorgt.

Um Sex & Crime im Emsland des 19. Jahrhunderts geht es in der Broschüre „Die Bäuerin und der Soldat“. Die äußerst seltene Überlieferung von achtzehn Liebesbriefen aus den Jahren 1819 bis 1821 erlaubt einen ungewöhnlich intimen Blick in eine gar nicht so betuliche Heimatgeschichte.

Die Schrift „Warum Karl B. 1946 in Esterwegen inhaftiert war“ schildert das Schicksal eines kleinen Textilverkäufers, der sich bei Kriegsbeginn 1939 als Ungedienter zur NS-„Ordnungspolizei“ meldet. Er hat mit den Nazis nichts am Hut, trotzdem ist er an der Tötung tausender Menschen hinter der Ostfront beteiligt. Schon 1941 brandmarkt Winston Churchill die Verbrechen seiner Einheit. 1946 wird Karl B. deshalb von den Engländern im Lager Esterwegen interniert. 1947 wird sein gesamtes Bataillon von Esterwegen aus an die Sowjets überstellt.

„Hauptmann Schöningh zieht ins Moor“ heißt die Broschüre, die Geschichten aus der Geschichte rund um  Bechtlufts Heimatgemeinde Twist erzählt. Die sind vielfältiger, als mancher denkt. So geht es u. a. um die Moorleiche des „Roten Franz“, um Kaiser Wilhelm II., der 1917 mit einem englischen Tank durchs matschige Moor gefahren sein soll, und nicht zuletzt um die Geschichte, wie ein Twister Volksschullehrer überhaupt zum Rundfunk kam und die abgelegene Moorgemeinde zum Standort des NDR machte.